Meine Tipps für einen Sonntag in der Alfama, dem historischen Altstadviertel von Lissabon

26.07.2018

Foto: KHL auf der Terrasse vom Palácio Belmonte

Über die Vorzüge des historischen Pálacio Belmonte hoch über der Altstadt von Lissabon habe ich bereits berichtet. Meinen letzten Aufenthalt dort habe ich für eine Erkundung der Alfama, Lissabons ältestem Stadtteil, genutzt. Die folgenden Sehenswürdigkeiten kann man wunderbar an einem Tag „erlaufen“ – vorausgesetzt, man ist gut zu Fuß, scheut keine Treppen und trägt bequemes Schuhwerk. Alternativ kann man ein Tuktuk (ja, die Dinger, die man aus Asien kennt…) oder Ausflug-Taxi nehmen. Und dann gibt es natürlich noch eine absolut urige Straßenbahn, die sogenannte „Electrico“. Die Linie 28 durchquert die Alfama mit all ihren engen und steilen Straßen und ist ein Relikt aus den 30er Jahren, sozusagen schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Also – unbedingt mitfahren und den Charme der Vergangenheit erleben!

Beginnen wir am wohl höchsten Punkt der Stadt, dem Castelo Sao Jorge. Hier haben die christlichen Kreuzfahrer die Mauren anno 1147 besiegt. In den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde sie restauriert. Das Beste ist der Blick über die Stadt und den gigantischen Tejo, den man von hier genießen kann.

Nicht weit von der Burg befindet sich „The Cork Store“ – eine hübsche Boutique mit allen möglichen Accessoires aus Kork. Was für eine tolle Alternative zu Leder! Und gleichzeitig ein typisch portugiesisches Produkt, also ideal als Souvenir oder Mitbringsel.


Foto: Tolle Taschen und Accessoires aus Kork - The Cork Store

Durch die steilen Gassen mit ihrem Kopfsteinpflaster geht es hinab zum Miradouro Santa Luzia. Aufgrund der vielen Hügel hat Lissabon einige dieser Aussichtspunkte („Miradouros“) mit atemberaubenden Panoramen. Die hübsche weiße Kirche Santa Luzia besticht mit ihren Kachelbildern, auf denen u.a. Lissabon vor dem großen Erdbeben zu sehen ist.

Foto: Die hübsche Kirche Santa Luzia - KHL

Vom Pálacio Belmonte (und dem Miradouro Santa Luzia) hat man immer diese wunderbare Aussicht auf die weiße Kirche Igreja de Sao Vicente de Fora aus dem 17. Jahrhundert. Unbedingt anschauen – spektakulär sind die über 100.000 (!) „azulejos“, die berühmten blauen Fliesen sowie die Aussicht von der Dachterrasse auf die Alfama und den Tejo. Der Blick entschädigt für das viele Treppensteigen.

Foto: Blick vom Palácio Belmonte auf die Kirche Sao Vicente de Fora - KHL


Foto: Die berühmten blauen Fliesen, "azulejos" - KHL

Aber es kommt noch besser. Von Sao Vicente geht`s in Richtung Tejo (kurze Erholung für die Füße, es geht abwärts!), vorbei an einem kleinen Kunstmarkt und mit einem Kaffee-Stopp. Mein Tipp: das Copenhagen Coffee Lab. Skandinavien mitten in Portugal, eine reizvolle Mischung. Modernes Ambiente, leckere Snacks und perfekte Wachmacher in Form von Koffein. Viel junges Volk, das hier mit Laptops und Smartphones hantiert. Ansonsten findet man kleine Cafés an fast allen Ecken – und guten Kaffee (mit sündhaft süßen Leckereien) gibt es in Lissabon eigentlich immer.

Foto: Coffee Time! - KHL

Gut gestärkt? Dann auf zur Igreja de Santa Engrácia, einer der schönsten Kirchen Lissabons – auch National Pantheon genannt. Mit ihrem Bau wurde bereits 1681 begonnen, aber es dauerte sehr lange bis zur Vollendung im Jahre 1966 – Wahnsinn. Das erklärt die vielen Elemente aus den verschiedensten Epochen. Die große Kuppel erinnert mich irgendwie an das Weiße Haus in Washington. Hier befinden sich die Sarkophage einiger berühmter Portugiesen, darunter Vasco da Gama und Amalia Rodriguez, der populärsten und fast schon heiligen Fado-Sängerin des Landes.

Foto: Der Aufstieg zum Pantheon lohnt! - KHL

Auch hier gilt wieder – unbedingt rein in die Kirche und vor allem rauf aufs Dach (hurra, es gibt einen Aufzug!). Von den vier Türmchen hat man noch mal eine unvergleichliche Aussicht auf Lissabon und den Tejo, ich konnte mich an diesem Panorama gar nicht sattsehen. Für Schwindelfreie lohnt sich auch der Blick von den Plattformen im Inneren der Kirche, auf einer der unteren gibt es sogar eine Ausstellung mit moderner Kunst. Was für ein wunderbarer Kontrast zum sakralen Charakter des Pantheons.

Foto: Eine andere Perspektive vom Dach des Pantheons - KHL

Foto: Schwindelfrei? Dann mal von der Balustrade ins Innere des Pantheons schauen. - KHL

Jetzt aber ab zum Fluss – mit der Aussicht, später all die Treppen wieder bis zum Pálacio Belmonte hinaufzusteigen. Ich habe mir fest vorgenommen, etwas für meine Kondition zu tun und kein Taxi zu nehmen. Schräg gegenüber vom historischen Bahnhof Santa Apolónia (einem der wichtigsten der Stadt) aus dem Jahr 1865 war mal wieder Zeit für einen Kaffee, diesmal mit einem Brunch verbunden. So heißt auch der nette, leicht schrille Laden, in dem sich hauptsächlich junge Leute zum Sonntagsschwatz und einem ausgiebigen Brunch treffen. Schon für weniger als 10 Euro kannst Du Dich hier gut satt essen, gefällt mir!

Foto: Cooler Leuchter im BRUNCH - KHL

Von hier ist es ein Katzensprung zum Fado-Museum, das an diesem Sonntag leider geschlossen war. Egal – bei Sonnenschein halte ich mich ohnehin lieber draußen auf. Natürlich wäre es schon mal interessant, mehr über die Geschichte dieser sentimentalen Musik mit all ihren theatralischen Interpreten zu erfahren. Vielleicht habt Ihr ja einige der Fado-Stars beim diesjährigen Eurovision Song Contest im Fernsehen bewundert.

Tja, dann geht es also wieder hinauf zum Pálacio. Ich habe die Treppen nicht gezählt – der Weg hat aber locker ein intensives Training für Beine und Po im Fitness-Studio ersetzt.

Was für ein Tag! Eines ist sicher: Lissabon ist auf der Liste meiner Lieblingsstädte ganz weit oben.

Foto: Erholung im wunderbaren Garten des Palácio Belmonte - KHL

Wer immer noch nicht genug von Kirchen hat, kann sich dann noch das älteste Gotteshaus Lissabons ansehen. Die Bauarbeiten für die Igreja de Santa Maria Maior Sé Patriarcal de Lisboa (UFF – man kann auch einfach „Sé“ sagen) begannen anno 1147 und wurde nach zwei Erdbeben teilweise erneuert. Eine kurze Stippvisite auf dem Weg von der Alfama hinunter zum Rossió direkt am Tejo lohnt sich. Vorher kann man noch in der Galerie „A Arte da Terra“ schräg gegenüber von der Sé vorbeischauen. In den historischen Gemäuern (vor langer Zeit waren das mal Pferdeställe) findet man einen schönen Überblick über Kunst und Kunsthandwerk Portugals mit Objekten von über 300 Künstlern und möglicherweise auch ein nettes Souvenir.


Foto: Prachtvoll: die Galerie "A Arte da Terra" - KHL

Sehr originell fand ich den Flagship Store von "The Lisbon Walker", 5 bis 10 Gehminuten von der Kirche entfernt. Schuhe und Weine aus einheimischer Produktion, was für eine interessante Kombination. Eine charmante junge Dame lud mich direkt zu einer kleinen Verkostung ein, während ich mir die zum Teil ausgefallenen (Herren-)Treter angeschaut habe. Nett essen kann man direkt nebenan in dem kleinen Restaurant unter derselben Leitung.

Foto: Wein und coole Schuhe im "The Lisbon Walker" - KHL

Ein Wort noch zu den Restaurants in der Alfama – es gibt so viele gute mit einfacher, authentischer portugiesischer Küche. Maria, die Besitzerin vom Pálacio Belmonte, bringt es auf den Punkt: „Entweder ist die Aussicht wunderbar, aber die Küche nicht so gut – oder umgekehrt.“ Also vielleicht lieber mal in die kleinen Gaststätten gehen, die eher unscheinbar aussehen. Oft gibt es hier auch abends Fado-Gesang. Mir hat das kleine Conquistador direkt neben dem Castelo Sao Jorge gut gefallen – netter Service, eine ansprechende Präsentation ohne viel Gedöns und leckeres Essen. Wie in den meisten Restaurants ist das allerdings ziemlich fleisch- und fischlastig, aber mit etwas Fantasie bekommt man auch vegetarische Optionen hin.

Foto: Der Charme der Alfama - KHL

Damit neigt sich der Sonntag in der Alfama dem Ende. Natürlich gibt es in Lissabon noch viel mehr zu sehen - vielleicht habt Ihr Lust bekommen, die Stadt zu erkunden? Weitere Tipps von mir findet Ihr hier. Viel Spaß!

Foto: Sonnenuntergang am Tejo - KHL


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