Wie Corona unser Reiseverhalten ändern wird

Derzeit macht die gesamte Welt eine Krise durch, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Die Touristik ist von den Auswirkungen des Corona-Virus´am stärksten betroffen. Wie werden wir reisen, wenn die Krise überstanden ist? In diesem Artikel versuche ich, einige Antworten zu geben.

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The Future of Travel

©Jeshoots

Harte Zeiten für die Touristik

Das war es vorerst mit dem Reisen. Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Hoteliers trifft die Coronakrise besonders hart. Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag ist das Konkursrisiko in der Touristik zweimal so hoch wie in anderen Branchen. 40 % aller deutschen Reiseunternehmen sind in größter Not. Klaus Reinhardt, Vorsitzender der Bundesärztekammer, glaubt nicht, dass Urlaubsreisen in diesem Sommer wie gewohnt stattfinden können. Mittlerweile wird hier und da der Ruf nach einer Verschiebung der Sommerferien laut, um nicht das komplette Geschäft in der lukrativen Hochsaison zu verlieren. Ein verzweifelter Hilfeschrei in einer dunklen Zeit für die Reisebranche. Wie wird (oder könnte) die Touristik aussehen, wenn der Corona-Albtraum vorbei ist? Wie werden wir künftig (vermutlich) reisen? Ich habe hierzu ein paar Einschätzungen sowie meine ganz persönliche Meinung zusammengetragen. 

Natürlich werden wir weiterhin Urlaub machen. Verreisen, neue Orte erkunden und sich in freier Natur erholen sind ein Grundbedürfnis. Reisen werden nach Monaten der Isolation noch wichtiger und begehrter sein, obwohl Corona nicht das letzte Virus sein, dass die Welt in Atem hält. Und fast vergessen wir in diesen Zeiten, dass wir mit dem Klimawandel noch eine andere große, globale Herausforderung haben, die es zu bewältigen gilt. So hart die Auswirkungen von Corona auf Wirtschaft und private Haushalte sein werden – unser Planet kann zumindest für kurze Zeit durchatmen. Zumindest etwas Positives!  

The future of travel

©JRoss Parmly auf Unsplash

Flugreisen werden teurer

Zweifelsohne werden viele Fluggesellschaften diese Krise nicht überleben. Andere werden einen Schrumpfprozess durchleben. So kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr kürzlich an, dass die Airline kleiner, stärker und effizienter werden wird. Weniger Angestellte, Maschinen und Kosten. Vielleicht wird (fast) jedes Land künftig nur eine nationale Fluggesellschaft haben, so wie vor Jahrzehnten. Und Flugreisen werden mit Sicherheit teurer. Nicht unbedingt schlecht, denn die Preise der Billig-Carrier waren zuletzt auf lächerlich niedrige Niveaus gesunken. Abgesehen davon ist der jährliche Zuwachs an Flugbewegungen Gift für unsere Umwelt, für unser Klima. Das können wir drehen, wie wir wollen. Alistair Pritchard, Tourismus-Experte des Dienstleisters Deloitte, sieht drei Bereiche, die aufgrund der Corona-Krise besonders leiden werden. Dem kann ich nur zustimmen.

Fern- und Geschäftsreisen und Kreuzfahrten sind besonders gebeutelt

Die Anzahl an Fernreisen wird sinken. Mit weniger Fluggesellschaften werden Reisen in exotische Ziele teurer. Kurztrips in die Ferne – man denke nur an einen Wochenendtrip nach New York zum „Christmas Shopping“ – werden an Bedeutung verlieren. Wir werden weiterhin Länder fernab unserer Heimat entdecken wollen, aber nicht jedes Jahr. Weniger wird mehr sein. Destinationen werden um die weniger werdenden Urlauber kämpfen. Ziemlich sichere, gut entwickelte Länder mit atemberaubender Natur werden einen großen Vorteil haben, ich denke da an Kanada und Neuseeland.

Pristine nature in Quebec, Canada

Geschäftsreisen werden abnehmen.  Während der Corona-Krise haben sich viele Firmen und deren Angestellte an virtuelle Meetings gewöhnt. Es wird auch weiterhin Geschäftsreisen geben, aber weniger. Da fällt mir eine persönliche Anekdote ein: Vor Jahren habe ich an einer großen Veranstaltung eines deutschen Unternehmens in Kanada teilgenommen, die zwei Wochen dauerte. Ein Kollege flog zwischendurch zurück nach Deutschland, um bei der Hochzeit eines Freundes anwesend sein zu können. 2 x Frankfurt-Toronto und zurück innerhalb von 14 Tagen „einfach nur so“ – solche Exkursionen gehören hoffentlich der Vergangenheit an.

Kreuzfahrten. Bei dem Thema muss ich mich etwas bremsen. Ich habe nie verstanden, wie Jahr für Jahr immer mehr dieser schwimmenden Städte mit Platz für über 6.000 Passagiere auf die Ozeane gelassen werden konnte. Energieverbrauch und Abfallproduktion sind gigantisch – ganz zu schweigen von den desaströsen Folgen für Städte wie Venedig oder Dubrovnik. Die goldenen Jahre sind für dieses Segment vermutlich vorbei – hierfür wird sich unser Planet bedanken. 

Chancen für starke Marken

Mit der bevorstehenden globalen Rezession und einem deutlich geringeren Haushaltseinkommen wird das Geld bei vielen Verbrauchern nicht mehr so locker wie gewohnt sitzen. Zweit- oder Drittreisen fallen möglicherweise aus, umso mehr muss die Erstreise „sitzen“. Hier bieten sich vor allem Chancen für starke Marken bzw. Produkte, die Verbrauchern einen deutlichen Mehrwert bieten. Ökologisch und nachhaltig geführte und einzigartige Hotels mit vorbildlicher Hygiene (hier ist viel Innovation gefragt) könnten die Gewinner im Kampf um Hotelgäste werden. Viele der unpersönlichen Bettenburgen – man denke nur an den Süden von Teneriffa oder Gran Canaria – werden leer stehen. Dem wahnwitzigen, Landschaften zerstörenden Bauboom in vielen Gebieten wird ein Ende gesetzt. Nicht schlecht, oder? Der Urlauber von morgen wird die überlaufenen Sehenswürdigkeiten eher meiden und öfter in kleinere Städte oder ländliche Regionen reisen. Natur und alles bitte langsamer als bisher. Und eher regional als international.

Es wird nicht einfach und nur die Stärksten werden überleben. Destinationen, die vom Tourismus und ausreichenden Flugverbindungen abhängen, tun mir jetzt schon leid – ebenso wie die vielen Angestellten, die ihre Jobs verlieren werden. Kreativität, Innovation und Geduld werden gefragt sein. Gerade in Krisenzeiten muss eine sensible und inspirierende Kommunikation mit potenziellen Kunden geführt werden, mit Aufklärung über Gesundheit und Hygiene. Die Zeiten, in denen sich viele nach dem Toilettengang nicht die Hände waschen, sind hoffentlich vorbei.

Oniro Suites in Mykonos

Foto: Oniro Suites auf Mykonos - ein Produkt der Zukunft

Was sagen Branchenvertreter?

 „Wenn diese Krise etwas Gutes mit sich bringt, dann ist es die Tatsache, dass die Kunden den Wert einer Reise mehr zu schätzen wissen. Eine Reise wird nicht mehr so normal und nur ein weiterer Urlaub sein, sondern etwas Besonderes,“ sagt Timo Kohlenberg, Geschäftsführer von America Unlimited, einem auf Nordamerika spezialisierten Reiseveranstalter.

Timo Kohlenberg, President & CEO America Unlimited

"Jede Krise bringt Gutes hervor. Weniger und teurere Flüge, wenige all-inclusive und gesichtsloser Massenservice. Corona bietet die Gelegenheit zu einer Re-Positionierung des Wesentlichen einer Reise. Auf unseren Reisen werden wir die Natur zu schätzen wissen, Geist und Körper verjüngen, uns mit Menschen verbinden, nachdenken und bereit für Neues sein. Wir werden sensibler verreisen, was den Menschen und unserem Planeten gut bekommen wird,“ so Elena Papanicolau, die Chefin der griechischen Luxus-Reiseagentur Fly me to the Moon

Elena Papanicolau

Meine persönlichen Reisepläne

Was bedeutet die neue Reisewelt für mich? Ich werde weniger und anders reisen, so wie ich es vor dem Corona-Ausbruch geplant hatte. Selbstverständlich kann ich nicht ganz auf Flugreisen verzichten, aber ich werde mit dem Zug fahren, wann immer es darstellbar ist. Ich werde die Hotels, die ich besuche und mit denen ich zusammen arbeite, weiterhin mit viel Bedacht aussuchen. Nach Reisen in über 50 Länder dieser Erde hatte ich mir ohnehin vorgenommen, Destinationen mit hohem Gesundheitsrisiko zu meiden. Es gibt nicht nur Corona, sondern auch Malaria, Zika und Dengue – um nur einige fiese Krankheiten zu nennen. Das Risiko einer Infektion kann man nirgendwo ausschließen, aber doch beträchtlich reduzieren. Und wer weiß, vielleicht habe ich eines Tages wieder Lust auf eine Reise nach Brasilien, wo ich bereits acht Mal war. Es gibt noch einige exotische Ziele auf meiner „bucket list“, aber vorerst konzentriere ich mich auf Deutschland und die vielen wunderbaren Ziele in Europa, die jetzt unsere Hilfe benötigen. Wandern in den Alpen, Exkursionen in die atemberaubende griechische Inselwelt und Reisen in Städte, die nicht im Fokus stehen. Reisen werden wieder einen ganz anderen, besonderen Stellenwert bekommen. Wir werden weiterhin weltweit unterwegs sein, nur anders und nicht mehr so häufig. Gar nicht mal so schlechte Aussichten, oder?

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Watching the sea in Vilamoura, Portugal

Photo: Purobeach Club in Vilamoura, Portugal