Reisen in Corona-Zeiten – wohin kann man jetzt fahren?

Ein Erfahrungsbericht über einen Kurztrip nach Holland. Wie reist es sich in vom Corona-Virus geprägten Zeiten?

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ICE der Deutschen Bahn

©Deutsche Bahn AG - Claus Kleber

Endlich wieder unterwegs

Als Reise- und Lifestyleblogger war ich das letzte Mal im Februar unterwegs – und das in Mailand, als Corona dort ausbrach. Ich habe alles überstanden und die Zeit seitdem brav zu Hause in Düsseldorf verbracht. Aber jetzt, Ende Juni, frage ich mich, wohin man nun mit Minimalrisiko reisen kann. Nachdem die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für einige europäische Länder aufgehoben wurde, entschloss ich mich für einen Kurztrip nach Holland. Ich mag unser kleines Nachbarland sehr, es lässt sich schnell mit dem Zug erreichen und war bzw. ist von COVID-19 nicht ganz so hart betroffen wie z. B. Italien oder Spanien.

First travel after a long time

Auf nach Holland

Meine Wahl fällt auf das Four Elements Hotel in Ijburg, einem sehr modernen Stadtteil von Amsterdam. Ein brandneues Ökohotel, über das ich hier noch ausführlich berichten werde. Dazu passend buche ich – ökologisch korrekt – eine Zugfahrt von Düsseldorf nach Amsterdam Centraal. Ich gönne mir ein Ticket für die 1. Klasse – Abstand halten ist das Gebot der Stunde. So geht es am späten Vormittag los vom Düsseldorfer Hauptbahnhof, der zu dieser Zeit leerer als üblich ist. Brav trage ich meine Stoffmaske, wie die meisten anderen auch. Der ICE ist superpünktlich und meine Rechnung geht auf – die 1. Klasse ist ziemlich leer, sehr angenehm. Den Mund- und Nasenschutz behalte ich natürlich auf, ist ja in den Zügen Vorschrift. Gut zwei Stunden sind damit auszuhalten, wobei ich hin und wieder die Maske lüfte, um etwas Frischluft zu atmen. Hat keiner gesehen. Ein Fahrgast ist damit beschäftigt, seinen Koffer im Gepäckfach unterzubringen. Wohin nur mit der Fahrkarte? Die nimmt er völlig sorglos in den Mund. Ganz ehrlich – geht´s noch? Wie oft habe ich das schon in Flugzeugen beobachtet, aber in Zeiten von Corona sollte man doch … nun ja, manche haben es immer noch nicht gelernt. Per Durchsage werden die Fahrgäste informiert, dass es im Bistro nur Getränke gibt. Macht Sinn. Ich fasse so wenig wie möglich an und vermeide einen Toilettengang. Desinfektionsmittel habe ich ohnehin meistens dabei – Corona hin, Corona her. Schließlich gibt es ja auch noch andere fiese Viren, die kein Mensch braucht. 

Traveling in times of Corona

Nicht ohne meinen Mundschutz

Der Fahrgast vor mir trägt keine Maske. Als er hierauf vom Schaffner hingewiesen wird, entgegnet er, dass er sich habe testen lassen und gesund sei. Nach einem Attest wird nicht gefragt. Hoffen wir mal, dass er die Wahrheit gesagt hat. 

Nach 2:20 Stunden ist es geschafft, Ankunft in Amsterdam Centraal. Die Menschenmengen im hypermodernen Bahnhof halten sich in Grenzen, die meisten tragen hier keinen Mundschutz. Direkt am hinteren Ausgang befindet sich die Straßenbahnhaltestelle. Linie 26 bringt mich in gut 15 Minuten nach Ijburg, einen nördlichen Stadtteil von Amsterdam. In der Bahn ist Mundschutzpflicht, hier nennen sich die Masken ganz sympathisch „mondkapje“. Alle Fahrgäste – sehr viele sind es nicht – halten sich daran. Wer beim Einsteigen „oben ohne“ ist, wird vom Schaffner (ja, die gibt es hier noch) höflich auf die Maskenpflicht hingewiesen.

Amsterdam Cental Station

Foto: Hauptbahnhof Amsterdam

Hygiene im Hotel

Im (energieneutralen) Four Elements Hotel begrüßt mich die charmante Rezeptionistin hinter einer Plexiglasscheibe. Masken trägt das Hotelpersonal nicht. Wie auch in Deutschland gibt es hier überall Hinweise auf Corona-Regeln und die roten Streifen auf dem Boden, die auf das Einhalten des Abstands hinweisen. Desinfektionsmittel stehen bereit. Ein Frühstücksbuffet gibt es im Four Elements Hotel auch nicht in „normalen“ Zeiten. Das Essen wird mit einem Wägelchen am Tisch serviert, der Gast nimmt sich selbst seinen Teller. Eine gute Idee angesichts der vielen Nahrungsmittel, die sich die Gäste auf die Teller füllen und dann nicht verzehren. Ökologisch gesehen ist der Service am Tisch viel besser, aber dazu auch mehr in meinem Bericht über das Four Elements Hotel (in Kürze). 

Four Elements Hotel Amsterdam

Fast schon "Undertourism" in Amsterdam

Natürlich mache ich einen Ausflug ins Zentrum von Amsterdam. Weniger Menschen als sonst, was sehr angenehm ist. Deutsch höre ich oft in den engen Straßen. In den Cafés und Restaurants herrscht normaler Betrieb, ich fühle mich in keiner Weise eingeschränkt oder unsicher. In manchen Lokalen stehen die Tische etwas dicht aneinander, aber bei schönem Sommerwetter halte ich mich ohnehin lieber draußen auf und genieße mein Abendessen auf einer Terrasse wie hier im schicken Restaurant The Lobby. Leben wie Gott in Holland. Corona, bleib mir vom Hals.

Dinner in The Lobby, Amsterdam

Mein Handy mit Corona-App lasse ich eingeschaltet, wobei es vermutlich hier in Holland nicht funktioniert. Positiv denken – wird schon alles gut gehen. Ich achte auf Abstand, die Hände wasche ich mir ohnehin, so oft es geht. Ich fasse so wenig wie möglich an, Tasten in Fahrstühlen bediene ich mit dem Fingerknöchel. Auch das habe ich mir in Corona-freien Zeiten angewöhnt. Irgendwie war ich schon immer ein Hygienefanatiker, liegt wohl an der Erziehung.

Fliegen - ja oder nein?

Wieder zu Hause in Düsseldorf zeigt mir meine App an, dass ich nach wie vor ein niedriges Corona-Risiko habe. Bleibt die Hoffnung, dass die paar Tage in Amsterdam nichts daran geändert haben. Mein persönliches Fazit: Ich werde auch in den nächsten Wochen reisen, denke selbst über eine kurze Flugreise nach. Allerdings werde ich mir einen Mund- und Nasenschutz zulegen, der mich besser schützt und nicht nur andere. Sollte ich mit dem Flugzeug reisen, werde ich einen Fensterplatz reservieren (eine Person weniger neben mir). Lange Flüge kommen für mich derzeit ohnehin nicht infrage. Für die Fahrt zum Flughafen werde ich mir ein Taxi gönnen. Im Flughafen selbst ist das Aufkommen selbst jetzt in der Ferienzeit noch immer nicht so hoch wie in normalen Zeiten. Somit hoffe ich, dass man recht einfach Abstand halten kann, auch bei der Sicherheitskontrolle. Und ich werde mich darauf einstellen, zwei bis drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein – auch, wenn ich bereits in Besitz der Bordkarte bin. 

SWISS - Switzerland´s national airline

©SWISS

Vernünftig reisen - jetzt erst recht

Das Reisen ändert sich, vermutlich wird es auch noch lange so bleiben. Ich hatte mir ohnehin vorgenommen, weniger unterwegs zu sein. Und meine Destinationen und Hotels noch sorgfältiger auszusuchen. Eher Natur und kleinere Städte, nicht unbedingt die ganz großen Metropolen. Die absolute Sicherheit wird es nie geben, aber wir können das Risiko aus meiner Sicht schon deutlich reduzieren. In diesem Sinne – gute Reise und immer schön Abstand halten!

Hier gibt es aktuelle Hinweise zu Reisen nach und in Holland 

Mehr Holland gefällig? Wie wäre es mit Zandvoort?

Strand in Zandvoort am frühen Abend