​Fürstlich residieren im Palast, Teil 2

28.04.2018

Über den spektakulären Pálacio Belmonte hoch über Lissabon habe ich bereits mehrfach berichtet.Mein erneuter Besuch hat mich nicht weniger als sonst beeindruckt – u.a. auch deshalb, weil die 10 Gäste-Suiten völlig unterschiedlich sind und man jedes Mal Neues entdeckt.

Foto: Immer wieder atemberaubend - der Blick vom Pálacio Belmonte auf die Alfama. - KHL

Die Besitzer Maria und Frédéric Coustols gehören zu den interessantesten Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt haben. Ein französischer Landschaftssammler und eine aus portugiesischem Adel stammende Künstlerin haben dem edlen Belmonte ihren unvergleichlichen Stempel aufgedrückt. Coustols hat das Haus von Pedro Alvares Cabral, dem Entdecker Brasiliens, in aufwendiger Detailarbeit in den Originalzustand aus dem 16. Jahrhundert versetzt – was für ein Meisterwerk! Vor wenigen Jahren habe ich das Ehepaar Coustols interviewt und dabei Interessantes erfahren, mehr dazu hier.

Maria hat sich weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, wacht aber noch immer mit Argusaugen darüber, dass die hohe Qualität des Belmonte erhalten bleibt. Ansonsten jettet sie mit ihrem Gatten durch die Welt, meist ist Frankreich das Reiseziel. Dort befindet sich mit dem Castelnau des Fieumarcon, einer restaurierten Burg aus dem 13. Jahrhundert, ein weiteres spektakuläres Projekt von Frédéric Coustols. In all seinen Projekten gibt er Studenten aus der ganzen Welt Gelegenheit, Workshops zu veranstalten und im kreativen Gespräch Lösungsansätze für die drängenden Zukunftsfragen unserer Zeit zu erarbeiten.

Foto: Manchmal wird die Künstlerin selbst zum Modell - Porträt von Maria Coustols - KHL

Diesmal hatte ich das Vergnügen, in der Suite Bartolomeu de Gusmao (benannt nach einem Priester und Künstler im 17. Jahrhundert) des Pálacio Belmonte zu nächtigen. Drei durch eine steinerne Wendeltreppe miteinander verbundene Etagen, wo gibt es das sonst? Die Jahrhunderte alte Geschichte des Gebäudes ist überall spürbar, nicht zuletzt durch die historischen blauen Fliesen („azulejos“). Grüne und weiße Möbel bilden einen wunderbaren Kontrast. In den von Marmor eingerahmten Nischen befinden sich Kunstobjekte und vor allem Bücher, Bücher, Bücher. Das Angebot reicht von uralten Werken über Design-Bildbände bis hin zur Geschichte von airbnb – Leseratten kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Und beim Schmökern lauscht man einer der vielen CDs. Natürlich bietet sich hier Fado an, jener sentimentale Gesang, der so wunderbar zu Lissabon passt. Wer braucht da noch einen Fernseher? Ich nicht.

Das Schlafgemach erreicht man über besagte Wendeltreppe. Viel Stauplatz für die Garderobe und ein herrlich bequemes Bett, das besten Schlaf garantiert. Schnell noch ein Blick auf die beleuchteten weißen Kirchen der Alfama, bevor man selig einschläft. Frisches Wasser und ein paar Blümchen werden täglich bereitgestellt – und kein Fernseher, Radio oder sonst was stört den Schlaf mit elektrischen Schwingungen. Höhepunkt ist die Dachterrasse mit einem unvergleichlichen Blick über die Alfama, den ältesten Stadtteil Lissabons sowie den gigantischen Tejo. Einfach nur den Blick über das Häusermeer schweifen lassen und genießen. Ich beschließe, mir mein Frühstück am nächsten Morgen hier servieren zu lassen (das geht im Pálacio Belmonte alles ganz nach Wunsch). Ach ja, ganz unten (eigentlich sind es also vier Etagen) gibt es noch eine klitzekleine Küche mit Kühlschrank, Minibar und Espresso-Maschine.

Foto: Sinfonie in rot-weiß, die Alfama von Lissabon. - KHL

Im geräumigen, mit einem eleganten, kühlenden Boden ausgestatteten Badezimmer gefallen mir vor allem die angewärmten Handtuchhalter und die Tatsache, dass ich beim Duschen auf die Alfama blicken kann. Schönes Detail: hochwertige Necessaires von Aqua di Parma.

Mein Frühstück kommt um Punkt 9 Uhr wie immer auf leisen Sohlen. Ich weiß nicht, wie die Angestellten des Palácio Belmonte das machen – zu zweit werden alle bestellten Leckereien gebracht, in Windeseile ist der Tisch auf meiner Terrasse wunderbar gedeckt, und schon sind die guten Geister auch wieder verschwunden. Es ist an diesem Sonntagmorgen etwas kühl, aber ich will mir die Aussicht nicht nehmen lassen und genieße alles „al fresco“. Frische, zum Teil selbstgemachte Produkte wie die köstliche Kirschmarmelade und ein perfekter Espresso mit Aussicht – was für ein Kontrast zu den Buffets in all den Massenhotels. Leben wie Gott in Lissabon – im Pálacio Belmonte ist das möglich.

Foto: Besser geht`s nicht - Frühstück im Pálacio Belmonte. - KHL


Am Nachmittag genießt man seinen Kaffee oder ein Glas Wein im Cultural Café im Innenhof des Pálacio Belmonte. Tipp: unbedingt die „Pasteis de Nata“ probieren, kleine Blätterteigtörtchen mit einem sündhaft leckeren Pudding. Dazu gibt es Kunstobjekte, interessante Bildbände und manchmal auch ein spontanes Klavierkonzert. Mittlerweile hat sich das Cultural Café herumgesprochen, immer mehr Tagesgäste genießen ihren Drink auf der Terrasse. Seit gut einem Jahr kann man im Pálacio Belmonte auch zu Abend essen. Das moderne Restaurant Leopold besticht durch puristisches Ambiente und eine wunderbar kreative Küche – auch empfehlenswert, wenn man nicht im Belmonte übernachtet.

Foto: Eine klitzekleine Sünde - ein "pastel de nata" im Cultural Café. - KHL

Man kann den ganzen Palast übrigens anmieten, Kosten auf Anfrage. Den Mitgliedern einer berühmten englischen Boyband gefielt das Belmonte so gut, dass sie sich direkt noch mal einquartiert haben. Andere Promis wie Monica Bellucci und Oscar-Preisträger Jeremy Irons waren von diesem ausgefallenen Gästepalast (Maria Coustols vermeidet grundsätzlich das Wort „Hotel“) so begeistert, dass sie mehrfach hier logiert haben. Wundert mich nicht!

Foto: Die wunderbaren Salons im Pálacio Belmonte stehen den Gästen jederzeit zur Verfügung. - KHL

Dieser kleine Video-Clip gibt einen kurzen Einblick in die Aussicht vom Pálacio Belmonte auf die wunderbare Alfama von Lissabon:



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