​Sidi Bou Said – das charmante Künstlerdorf in Tunesien

04.04.2019

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Nachdem ich mir (wieder) die Medina von Tunis und das schicke Viertel Berges du Lac angeschaut hatte, war es Zeit für einen erneuten Besuch in Sidi Bou Said. Dieser charmante Küstenort, der als das schönste Dorf in Tunesien gilt, hat mich regelrecht verzaubert (und nicht nur mich). Von meinem Hotel Mövenpick du Lac Tunis war eine preiswerte Taxifahrt am einfachsten. Vom Zentrum Tunis´ empfiehlt sich der Zug (vergleichbar mit einer S-Bahn in Deutschland). Sehr preiswert (weniger als 1 EUR pro Fahrt), dafür muss man einige Abstriche in punkto Sauberkeit hinnehmen. Gleichzeitig bekommt man einen kleinen Eindruck der Vororte von Tunis – La Goulette, Le Kram und das vornehme Karthago, das ich bereits in einem älteren Beitrag beschrieben habe. Die Fahrt nach Sidi Bou Said dauert eine knappe halbe Stunde, die Züge verkehren regelmäßig.

Foto: Strandcafé in La Goulette bei Tunis - KHL

Hoch hinaus

Sidi Bou Said liegt auf einer Klippe hoch über dem Mittelmeer, entsprechend grandios sind die Aussichten auf den Golf von Tunis. Leider ist der Aufstieg auch mit Mühen verbunden – oder positiv gesagt ein exzellentes Training für Beine und Po. Superbequemes Schuhwerk ist ganz wichtig!

Foto: Typisches Gässchen in Sidi Bou Said - Houssem Sfaxi

Am Ortsgang bleibe ich bereits in der beliebten Patisserie von Madame Hachicha hängen. Hier gibt es köstliches tunesisches Gebäck, sozusagen als Stärkung vor dem Aufstieg ins Zentrum von Sidi Bou Said. Es geht vorbei an Souvenirgeschäften, Straßenverkäufer wollen Dir Blumen „schenken“, erwarten jedoch ein Bakschisch. Dafür sind die Aussichten gratis und Fotos sowieso. Man muss aufpassen, dass man nicht in einen wahren Fotorausch gerät. Auf dem Weg nach ganz oben kommt man am berühmten Café des Nattes vorbei, ich spare mir den Kaffee jedoch für später auf und kraxele erst einmal weiter bis zum ersten Aussichtspunkt mit Blick über den Golf auf das Mittelmeer, das historische Karthago und die Stadt Tunis am Horizont. Ein strahlend blauer Himmel unterstreicht die malerische Kulisse von Sidi Bou Said, was für ein perfekter Tag. Die gepflegten Häuser sind samt und sonders weiß mit blauen Türen, Fensterläden und Balkons. „Very instagrammable“, würde ich mal sagen.

Foto: Eukalypusbäume und blau-weiße Häuser mit dem Mittelmeer im Hintergrund - KHL

Mein nächstes Ziel ist das Restaurant Dar Zarrouk mit seinem herrlichen Innenhof und einem unvergleichlichen Blick auf das Häusermeer von Sidi Bou Said. Es ist Sonntag, heute trifft sich offenbar „tout Tunis“ hier. Großfamilien, hübsche Damen mit viel Make-up und in Miniröcken, und im Dar Zarrouk wird Alkohol ausgeschenkt. Abgesehen davon kann man hier gut und einigermaßen preiswert essen, der Service ist auch ok.

Foto: Schick und empfehlenswert - das Dar Zarrouk - KHL

Zum Restaurant Dar Zarrouk gehört das kleine Hôtel de Charme „Dar Said“, das mich vollends begeistert – wäre da nicht der muffige Rezeptionist, dem alles zu viel zu sein scheint. Egal, ich darf mir das charmante Haus mit einem tollen kleinen Pool und wunderbarem Panorama ansehen. Hier könnte ich durchaus ein paar Tage verbringen. In Sidi Bou Said gibt es einige dieser kleinen Hotels, so z.B. auch die Villa Bleue.

Foto: Pool mit Aussicht im Dar Said - KHL

Foto: Kaffeepause im Arts Café Sidi Bou Said - Houssem Sfaxi

Inzwischen ist Houssem, sozusagen mein Reiseführer für diesen Tag, eingetroffen und scheucht mich direkt zu den nächsten Sehenswürdigkeiten von Sidi Bou Said. „Das kleine Schloss Ennejma Ezzahra musst Du unbedingt sehen!“ Ok, es geht eine steile Straße hinab und hinein in dieses historische Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert. Hier residierte die Familie des Barons d´Erlanger, und noch heute kann man die farbenfrohen Salons mit den üppigen Möbeln und Bildern bewundern, daneben eine wunderbare Ausstellung von tunesischen Musikinstrumenten und Fotos aus der guten alten Zeit. Eintritt: 5 TDN, nicht mal 2 EUR (Stand: März 2019). Wiederum spektakulär sind die Aussichten von der Terrasse sowie ein herrlich duftender Garten, der mich an die Alhambra in Granada erinnert. Spätestens jetzt muss man sich doch in das Künstlerdorf Sidi Bou Said verlieben! Um 17 h schließt das noble Haus bereits, Zeit für einen Kaffee im Arts Café hoch über den Dächern von Sidi Bou Said.

Photo: Selfie mit Reiseführer Houssem (obwohl ich Selfies ja nun gar nicht mag...)

Foto: Ennejma Ezzahra, eine der Sehenswürdigkeiten in Sidi Bou Said - KHL

Foto: Aussicht von der Terrasse des Ennejma Ezzahra - KHL

Extravagante Mode im Dar Alaia

„Wusstest Du, dass der berühmte Modeschöpfer Azzedine Alaia hier ein Haus hatte?“ fragt Houssem. Nein, wusste ich nicht und klar, ich will es sehen. Im „Dar Alaia“ sind einige der extravaganten Kleider und Kostüme des 2017 verstorbenen Designers ausgestellt. Alaia, der gebürtiger Tunesier war und in Paris lebte, hat sich natürlich einen der schönsten Flecken im Künstlerdorf Sidi Bou Said ausgesucht – hoch über dem Meer mit grandiosem Blick. Der Eintritt ins „Dar Alaia“ ist übrigens kostenlos (täglich geöffnet von 11 bis 18 Uhr) und eine kleine Entschädigung, dass einige Galerien (von denen es in Sidi Bou Said einige gibt) heute geschlossen haben. Es ist Sonntag, ein Feiertag in Tunesien im Gegensatz zu vielen anderen islamischen Ländern.

Ein kurzes Video über das Dar Alaia:


Rauf und runter lohnt sich

„Jetzt zeige ich Dir noch ein paar ganz typische Gassen, in die kein Tourist kommt,“ meint Houssem. Ich ahne Böses, es geht noch mal ganz steil nach oben über Kopfsteinpflaster. Meine Füße könnten jetzt gut eine Massage vertragen, aber egal, der Aufstieg lohnt sich. Wir kommen direkt mit einer charmanten älteren Dame ins Gespräch, die in Sidi Bou Said wohnt und weit gereist ist. „So sehr ich die weite Welt liebe, ich freue mich immer sehr, wenn ich wieder hierher komme.“ Das kann ich sehr gut verstehen, Madame. Ich frage mich nur, wie betagte Menschen hier im Alltag klar kommen, aber die meisten wohnen in Tunesien ja zusammen mit der Familie und werden von den Jüngeren versorgt.

Foto: T-Shirt passend zur blauen Tür

So langsam geht die Sonne über dem Golf von Tunis unter und sorgt für ein atemberaubendes Farbenspektakel. Die nahe Moschee, von deren Turm der Muezzin gerade zum Gebet ruft, wird in ein wunderbares Orange getaucht. Jetzt noch schnell zum Café des Délices – nicht auf einen Kaffee, sondern nur noch für ein paar Fotos vom Golf von Tunis im Sonnenuntergang. Ohne Übertreibung – dieses Panorama gehört mit zu den schönsten, die ich je gesehen habe.

Foto: Mal kein blauer Farbenrausch in Sidi Bou Said

Ach ja, es gibt auch einen sehr gepflegten Sandstrand in Sidi Bou Said. Im Sommer soll man hier gut baden können. Ich frage mich nur, wie man dann ohne Auto wieder nach oben ins Zentrum kommt.

Für das Abendessen empfiehlt Houssem das „The Cliff“ im benachbarten Sidi Dhriff, das man per Taxi in wenigen Minuten und für wenige Euro erreicht. Wie der Name schon verrät, liegt dieses exklusive Restaurant auf einer Klippe. Von der Terrasse gibt es schon wieder einen dieser unvergleichlichen Ausblicke auf das Mittelmeer – es ist der Tag der atemberaubenden Panoramen. Das Essen im „The Cliff“ ist gut, wobei die vegetarische Auswahl wie so oft in Tunesien recht begrenzt ist. Ich esse den zigsten Risotto mit Pilzen, der vorzüglich schmeckt. Dazu gibt es einen tunesischen Rotwein, gar nicht mal so schlecht. Auf jeden Fall ist das ein wunderbarer Abschluss für einen unvergesslichen Tag in Sidi Bou Said. Tunesien hat sich heute von seiner allerbesten Seite gezeigt!

Foto: Blick vom Restaurant "The Cliff" am frühen Abend

Wie bereits in anderen Blogs erwähnt, lässt sich Sidi Bou Said wunderbar mit der Stadt Tunis und dem historischen Karthago verbinden. Wenn man nicht direkt im Künstlerdorf wohnen möchte, kann man auf eines der beiden neuen Mövenpick-Hotels ausweichen. Das eine liegt direkt am herrlichen Strand von Gammarth, das andere im noblen Vorort von Tunis Berges du Lac. Ich habe mich in beiden Häusern sehr wohl gefühlt, meine Berichte hierzu findet Ihr hier:

Mövenpick Hotel du Lac Tunis

Mövenpick Hotel Gammarth

Foto: Mövenpick Hotel du Lac Tunis - KHL

Und hier noch Bewertungen bzw. Tipps für Sidi Bou Said auf Tripadvisor.

Also, nichts wie auf nach Tunesien :-)! Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Thema Sicherheit, auf das ich immer wieder angesprochen werde. Nach den Attentaten wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Tunesien sehr verschärft. In Tunis sieht man sehr viel Polizei - und bevor Du Flughafen, Hotels oder Museen betrittst, musst Du durch Sicherheitsschleusen. Das gibt irgendwie ein gutes Gefühl, auch wenn es die absolute Sicherheit nie und nirgends gibt. Ich meide grundsätzlich Menschenansammlungen - zumindest eine kleine Vorsichtsmaßnahme.

Foto: Tolle Fotomotive in Sidi Bou Said - Houssem Sfaxi

Foto: Und so ist der Blick am frühen Abend vom Café des Délices - KHL

Foto: Typischer Hauseingang in Sidi Bou Said - KHL

Foto: Na, ist das eine Aussicht auf den Golf von Tunis? - KHL

Foto: Graffiti auf tunesische Art - KHL


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