Lüttich – die (fast) unbekannte Schöne an der Maas

20.06.2019

*Promotion*

Man kennt Brüssel, Antwerpen und Brügge. Lüttich in Wallonien, dem südlichen Teil Belgiens, ist weniger bekannt. War sie früher von Kohlebergbau und Stahlwerken geprägt, ist sie heute ein Musterbeispiel für Strukturwandel in Belgien. Mit gerade mal knapp 200.000 Einwohnern (und längst nicht so chaotischem Verkehr wie in den Mega-Städten) hat die Metropole im Dreiländereck so einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten – und ist noch dazu schnell von vielen deutschen Städten erreichbar. Von Düsseldorf benötige ich mit dem Thalys gerade mal 90 Minuten, von Köln und Aachen ist es sozusagen nur ein Katzensprung in die wallonische Stadt.. Dies ist bereits meine 3. Reise mit dem Thalys in diesem Jahr – und wieder bin ich begeistert. Pünktlich, viel Komfort in der Club-Lounge, und nach Köln gibt es sogar ein Frühstück. Guter Start, um eine mir unbekannte Stadt zu erkunden - und noch dazu auf eine umweltfreundliche Art und Weise!

Liège-Guillemins - der schönste Bahnhof!

Das absolute Highlight Lüttichs offenbart sich direkt bei der Ankunft. Der vom spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava konzipierte, 2009 eröffnete Bahnhof Liège-Guillemins ist ein absoluter Hingucker. Eigentlich will man ja immer schnell weg aus Bahnhöfen, nicht so in Lüttich. Ein riesiges Glasdach, viel Weiß und geschwungene Formen - kurzum, ein weiteres Calatrava-Meisterwerk. Dazu passt der neue, 118 m hohe Paradis-Turm gleich daneben. In dem gläsernen Gebäude mit 28 Etagen ist, wie sollte es anders sein, die Finanzwelt zu Hause. Calatrava hat mich übrigens auch schon mit einer imposanten Brücke im kanadischen Calgary begeistert - schaut mal hier.

Foto: Bienvenu à Liège!

Lüttich steht allerdings eher für historische Gebäude, und so führt der erste Weg auch direkt in die Altstadt im Zentrum. Hier, in einer romantischen Gasse, befindet sich unser Domizil, das charmante 3-Sterne-Hotel Neuvice. Schicke Lobby, freundliches Personal und komfortable Zimmer mit kostenlosem WLAN in allerbester Lage. Die meisten Sehenswürdigkeiten Lüttichs lassen sich von hier aus bequem zu Fuß erreichen, so wie man überhaupt fast gar nicht fahren muss. Wie gesagt, die Metropole Walloniens ist eher ein Städtchen. Große Hotels sucht man hier vergeblich, es sind auch kaum internationale Ketten vertreten. Eher sympathisch, oder?

Foto: Schöner wohnen im Hotel Neuvice

Lütticher Kalorienbomben

Durch enge Straßen mit netten Boutiquen, Cafés und Restaurants geht es zum Marktplatz mit dem hübschen Rathaus, einer der schönsten Sehenswürdigkeiten Lüttichs. An diesem angenehm warmen Tag im Juni sitzen die Menschen in den Straßencafés und genießen den „Café Liégois“, eine Kalorienbombe aus Kaffee, Vanilleeis, Zucker und Sahne. Überhaupt – die Lütticher mögen es sehr süß, dazu aber später. Sehenswert: die Opéra royal de Wallonie in einem neoklassischen Gebäude aus dem Jahr 1820 - mit modernem, eigenwilligem Aufbau. Opernfans sollen sogar eigens für Aufführungen mit namhaften Stars nach Lüttich kommen.

Foto: Alt und neu vereint - die Lütticher Oper

In einem ehemaligen Minoritenkloster aus dem 17. Jahrhundert mit eindrucksvollem Kreuzgang befindet sich das wallonische Volkskundemuseum, das ich mir an diesem sonnigen Tag jedoch gespart habe. Mein Museumstipp für Lüttich kommt noch an anderer Stelle. An einem schönen Sommertag sollte man die steilen Stufen direkt hinter dem Gebäude erklimmen und eine tolle Aussicht auf die Stadt genießen. Die Hügel der Zitadelle sind teilweise Ausläufer der Ardennen, Naturerbe der Wallonischen Region und ziehen sich wie eine grüne Lunge durch die Stadt. Eine Wanderung über die Hügel zählt zu den schönsten Aktivitäten in Lüttich.

Foto: Im Innenhof des ehemaligen Klosters im Zentrum Lüttichs

Foto: Kleine Pause im Kreuzgang...

Zeit für einen Espresso in der "Ferme En Ville", dem "Bauernhof in der Stadt". Nettes Café mit regionalen Produkten von naheliegenden Bauernhöfen ("From farm to fork"). Für die Damen gibt es Milchkaffee. In großen Tassen befindet sich eine kleine Menge Kaffee, der freundliche Kellner bringt heiße Milch in einem Topf und verteilt diese auf die Tassen. Nun ja, ich mag es ja eher pur, auch beim Kaffee - aber die Damen sind von ihrem Milchkaffee begeistert.

Foto: Das Team vom "Ma Ferme en Ville" mit Hauskuh - ©Jehanne Moll pour Ma Ferme en Ville

In den beiden Läden von Une Gaufrette Saperlipopette (was für ein Name...) im Zentrum der Stadt kosten wir leckere Teigbällchen mit viel Hagelzucker sowie hausgemachtes Eis und Sorbets - alles ohne künstliche Aromen, wie uns die umtriebige Besitzerin und ihr Sohn versichern. Gutes Brot gibt es hier ebenfalls - unbedingt mal vorbeischauen!

Foto: Kalorien zählen zwecklos... Une Gaufrette Saperlipopette

Schnell noch einen Blick in den Innenhof des Fürstbischöflichen Palastes, dem Regierungssitz der Provinz Lüttich und eine der Top-Sehenswürdigkeiten Lüttichs. 1526 erbaut, besticht dieses Gebäude im Zentrum vor allem durch sechzig Säulen mit verschiedenen menschlichen Gestalten und grotesken Masken. Die Place Saint-Lambert direkt daneben war der Standort der Lambertus-Kathedrale, die 1793 durch Revolutionäre zerstört wurde. Metallsäulen erinnern heute an den Verlauf der Kirchenmauern. Für die Kirchgänger und -liebhaber gibt es aber noch zahlreiche, gut erhaltene Gotteshäuser in Lüttich.

Foto: Prunkvolle Architektur - Fürstbischöflicher Palast

Zeit für ein Mittagessen! Die Auswahl an Restaurants ist schier unerschöpflich, in Belgien wird gut und viel gegessen. Als Fast-Vegetarier sind Burger-Restaurants nicht gerade meine erste Wahl, aber ich bin Teil einer Gruppe und gehe mit in die Huggy`s Bar. In dem gestylten Laden in einer ehemaligen Bank gibt es dann auch vegetarische und vegane Varianten sowie zahlreiche Craft-Biere, die mit weiblichen Namen bedacht wurden. Na denn, bon appétit et à votre santé!

Foto: Schrille Wandmalerei im Burger-Laden

Schnell noch ein Besuch im Buchladen, wobei Toutes Directions viel mehr als nur das ist. In diesem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert findest Du fast alles, was mit essen und reisen zu tun hat. Du kannst Dir einen Kaffee bestellen während Du schmökerst und Dich in den Salons in den oberen Etagen mit anderen Leseratten austauschst. Dazu ein freundlicher Besitzer, der Dich in Ruhe schauen und blättern lässt. Im Laden liegt ein Faltblatt namens "Buy Local" aus - hier sind Läden, Cafés und Restaurants im Zentrum gelistet, die lokale Produkte anbieten. Und davon gibt es ziemlich viele in Lüttich.

Foto: Schmökern und Stöbern im "Toutes Directions"

Schokoladenproben und ein Top-Hotel hoch über Lüttich

Beim Chocolatier Benoit Nihant sollte man richtig gute Schokolade probieren und dabei einiges über diese Köstlichkeit erfahren. Schokolade gehört nun mal zu Belgien wie die legendären Pommes Frites (wurden angeblich hier erfunden), Bier und Waffeln. Und Benoit Nihant zählt sicherlich zu den besten Chocolatiers der Stadt.

Foto: Edle Schoko edel verpackt - bei Benoit Nihant

Weiter geht`s nach oben zum Hügel von Publémont mit seinen Kirchen und historischen Gebäuden. In einem davon befindet sich das neue 5-Sterne-Hotel Les Comtes de Mean mit einem gelungenen Stilmix aus alter und moderner Einrichtung. Viel Wellness, ein fantastischer Blick über die Stadt, ein Top-Restaurant und sicherlich die spektakulärste Rooftop-Bar in Lüttich. Hotel-Tipp für den nächsten Wochenend-Trip und sicherlich eine Sehenswürdigkeit für sich.

Foto: Schicker Stilmix im Comtes de Méan

Hoch hinaus...!

Eigentlich reicht das schon alles für einen halben Tag, aber die prunkvollen Herrenhäuser im Viertel Hors-Chateau schauen wir uns auch noch an. Hier sollte man unbedingt durch die „Impasses“, kleine Sackgassen mit hübschen Häusern und viel Grün, spazieren. Mein Favorit: der „Impasse des Anges“, die Gasse der Engel – gut beschützt von Marienfiguren ;-).

Foto: Charmantes Lüttich im "Impasse des Anges"

Zum Abschluss der Besichtigungen steht eine kleine sportliche Herausforderung auf dem Programm: die Treppe der Montagne de Bueren. 374 Stufen wollen bewältigt werden, die Aussicht auf ein wunderbares Panorama beflügelt den sportlichen Ehrgeiz. Man wird mit einem tollen Blick auf Stadt und Maas belohnt. Und hat gleichzeitig etwas Platz für weitere belgische Kalorienbömbchen geschaffen. Ganz klar eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Lüttich!

Foto: Vermutlich die beste Aussicht auf Lüttich

Brutale Cocktails und ein Gourmet-Dinner

Die folgen prompt am frühen Abend in Form von Cocktails in der schicken Szene-Bar „Brutal“ – einem der beliebtesten Treffpunkte für die Lütticher Nachtschwärmer. Ein toller Mix aus modernem Interieur und klassischen Gemälden, dazu ein netter Service und coole Musik. Der Abend kann nicht besser starten (oder enden). Kurzum: brutal schön, diese Bar!

Foto: Farbenfroh - die szenige Bar Brutal

Getoppt wird die Lütticher Soirée durch ein Gourmet-Dinner im wunderbaren Restaurant Terra Terrae direkt im Zentrum. Endlich mal wieder eine kleine Karte, aus der Du Dir – auch als Vegetarier oder sogar Veganer – Dein Menü zusammenstellen kannst. Dazu gute Weine, ein sehr aufmerksamer Service und ein schönes Ambiente. Hier zeigt Lüttich sich von seiner allerbesten gastronomischen Seite. Was für ein toller Abend in dieser Stadt – die Vorfreude auf Tag 2 steigt!

Foto: Blick ins edle Terra Terrae Restaurant - ©Terra Terrae

Auch beim Frühstück zeigt sich das Hotel Neuvice von seiner symphatischen Seite. Ein ansprechendes Buffet für ein 3-Sterne-Hotel, eine gute Fee serviert leckeren Espresso. Sehr beeindruckt haben mich die quietschbunten Eieruhren, mit denen Du Dir Dein Frühstücksei ganz nach Deinem Geschmack zubereiten kannst. Nach dem Kaffee noch mal durch die Altstadtgassen bummeln, bevor es zur Boots-Anlegestelle an die Maas geht.

Foto: Belgisches Design in der Lütticher Altstadt

Mit einem Schiff der Navette Fluviale fahren wir in wenigen Minuten über die Maas zum Parc de la Boverie, einer Grünanlage auf einer Insel. Hier findet gerade das größte Open-Air-Restaurant in Lüttich statt, "Les Épicuriales". Schicke weiße Zelte mit einem internationalen, sehr guten gastronomischen Angebot. Die renommierten Lütticher Restaurants haben hier natürlich auch einen Stand. Dieses Food-Festival gibt es jedes Jahr zu Pfingsten und ist eigentlich schon ein Grund für ein Wochenende in Lüttich. La Boverie, das Museum der Schönen Künste, bildet eine wunderbare Kulisse für die Gaumenfreuden. Hier findest Du Meisterwerke alter und moderner Künstler (u.a. von Chagall, Monet und Picasso) und solltest nicht den „Dark Room“ im Keller mit grandiosen Bildern vor schwarzem Hintergrund verpassen. Top-Museum - ein Kunsttempel ganz nach meinem Geschmack!

Foto: Kunst und Gastronomie - das Museum La Boverie

Foto: Warten auf leckere Gambas - Les Epicuriales, Lüttichs Food-Festival Nr. 1

Foto: Kunst im Dark Room - Museum La Boverie

Pâtisserie Eggenols - und führe mich nicht in Versuchung...!

Fast ist es schon Zeit für die Heimfahrt, der Thalys wartet. Aber halt – da wäre noch ein ganz besonderer Stopp in einer der besten Pâtisserien Lüttichs. Kann man übrigens alles zu Fuß machen – von der Boverie über eine moderne Brücke zum Waffel-Tempel und anschließend zum spektakulären Bahnhof. Die Pâtisserie Eggenols ist ein alteingessener Familienbetrieb. Hier werden sündhaft leckere Lütticher Waffeln, feinste Torten und Macarons (ich koste die mit Espresso und Cognac… göttlich) angeboten.

Foto: So wenig Kalorien ... Pâtisserie Eggenols in Lüttich

„An Feiertagen, vor allem vor Weihnachten, stehen die Leute hier bis auf die Straße Schlange,“ sagt Monsieur Eggen, der das kleine Geschäft mit seiner charmanten Gattin führt. Kein Wunder, dass die beiden Umtriebigen den belgischen Königshof mit ihren süßen Köstlichkeiten versorgen. Nur schade, dass beide Kinder den Betrieb nicht fortführen möchten. „Pâtissier ist ein harter Job, Du musst eigentlich immer am Wochenende und an Feiertagen arbeiten,“ so Monsieur Eggen. Seine Lütticher Waffeln liegen mir heute noch auf der Zunge.

Foto: Süßes Gruppenbild mit dem Chef - La Pâtisserie Eggenols

Mein Lüttich-Fazit: diese Metropole hat es in sich. Warum nicht mal eine Stadt aus der zweiten Reihe besuchen? Architektur, Kunst, Kultur und natürlich eine tolle Gastronomie, auch wenn man wie ich kein Biertrinker ist. Eigentlich ideal für ein Wochenende. Das werde ich mir auch noch mal gönnen und mir dann die Cité Miroir anschauen – eine moderne Kulturstätte in den ehemaligen Lütticher Thermen. Und natürlich eine Waffel (vielleicht auch zwei) bei Monsieur Eggen genießen!

Lüttich kompakt...

Ausgehen und Schlemmen

Restaurant Terra Terrae

4 Rue Hazinelle - 4000 Liège

Tel: +32 495 32 16 43

www.terraterrae.be

Bar Brutal

17, rue Bonne Fortune - 4000 Liège

Tel: +32 04 / 267 41 91

www.brutal-liege.be

Shoppen

Buchladen Toutes Directions

Rue de la Violette, 3 - 4000 Liège

www.toutesdirections.be

Chocolatier Benoit Nihant

Passage Lemonnier 42 - 4000 Liège
Tel: +32 4 222 16 72

www.benoitnihant.be

La Pátisserie Eggenols

92, rue des Guillemins - 4000 Lièges

Tel: + 04 252 28 79

www.eggenols.be


Schlafen

Hotel Neuvice

En Neuvice 45 -4000 Liège

Tel . : +32 (0)4 375 97 40

www.hotelneuvice.be

Hotel Les Comtes de Méan

Mont Saint-Martin 9-11 - 4000 Liège

Tel: +32(0)42229494

www.lescomtesdemean.be

Weitere Lüttich-Tipps und Infos zu Sehenswürdigkeiten und Restaurants findet Ihr hier.

*Diese Reise wurde unterstützt durch Thalys und Belgien Tourismus Wallonie, herzlichen Dank!*

Foto: Umrahmt von sanften Hügeln - Lüttich an der Maas

Foto: Au revoir Liège - mit dem Thalys geht es ruckzuck nach Düsseldorf
Konversation wird geladen
Blogger Kodex Top 3 Blog Award 2017 - KHL Lifestyle
Erfahrungen & Bewertungen zu Karl-Heinz Limberg

Newsletter

Sie möchten über neue Blog-Artikel informiert werden? Sehr gerne - tragen Sie sich einfach in meinem Newsletter ein!