​Wie wär`s mal mit Insel-Hopping in der Ägäis?

15.10.2017

Ich und Kreuzfahrt? Nie im Leben- oder vielleicht doch?

Eigentlich wollte ich ja nie eine Kreuzfahrt machen. Erstens bin ich nun wahrlich nicht der Typ dafür und zweitens hatte ich auch immer gewisse Umweltbedenken, dazu aber später.

Foto: Blick auf den Bug und die Ägäis

Mit der Celestyal Olympia durch die Ägäis

Als ich jedoch das Programm der Mini-Kreuzfahrt mit der Celestyal Olympia sah, musste ich einfach für diese Reise zusagen. Mykonos, Patmos, Santorini, Kreta – vier der wohl bekanntesten Inselschönheiten Griechenlands (insgesamt hat dieses Traumland fast 200 Inseln) . Also auf nach Athen! Nach einer Übernachtung im Plaza Hotel, direkt am zentralen Syntagma-Platz gelegen, checken wir am Morgen in Piräus ein. Trotz der vielen Menschen klappt das recht schnell und reibungslos, genauso wie der Check-in an Bord. Die Logistik auf der Celestyal Olympia ist eindrucksvoll, hier sind Profis am Werk. Meine Junior-Suite gefällt mir, ist gemütlich eingerichtet und bietet ausreichend Stauplatz. Schönes Detail: die Handtücher werden in Form eines Schiffes auf das Bett drapiert. Im Schrank befindet sich eine knallorangefarbene Weste, die wir direkt für die Sicherheits-Demo (die wird hier „safety drill“ genannt – warum denn nur Drill?) tragen müssen. Glücklicherweise hilft mir eine Mitreisende beim Anlegen der Weste , alleine hätte ich das wohl erst bis zum Ende der Reise hinbekommen.

Foto: Schöner wohnen auf dem Meer - meine Junior-Suite


Foto: Unschlagbar - Dämmerung in der Caldera (mehr dazu später...)

Vorfreude auf Mykonos und ein Tausendsassa

Dann geht`s los. An den leicht schaukelnden Pott muss ich mich erst gewöhnen, aber das geht schnell. Meine letzte Schiffsfahrt liegt schließlich Lichtjahre zurück. Die Vorfreude steigt ins Unermessliche – erste Station ist MYKONOS! Was habe ich nicht alles schon über diese Insel gehört und gelesen. Schwulenparadies, Hotspot für das Partyvolk und viel griechisches Flair ohne MacDonald`s, Starbucks & Co. Vorher lernen wir noch Ion, den quirligen Kreuzfahrt-Direktor, kennen. Dieser Mann ist omnipräsent – mal bringt er ungelenken Touristen Salsa tanzen bei, dann macht er Durchsagen in zig Sprachen und zwischendurch hat er ein nettes Wort für jeden Gast übrig (na ja, für fast jeden, schließlich sind über 1000 Menschen an Bord). Wie kommt der Mann abends nur zur Ruhe? Vermutlich quasselt er noch im Schlaf.

Foto: Die Strände von Mykonos sind auch in der Nebensaison wunderschön

Die Celestyal Olympia - eine ältere, aber immer noch agile Dame

Ein paar Worte noch zum Schiff. Die Celestyal Olympia ist mit ihren über 30 Jahren eine schon etwas betagte Dame – dabei hat ein solcher Pott eine Lebenszeit von gut und gerne 50 Jährchen. Also hat sie noch ein paar Touren vor sich. Mit 270 m Länge und einer Kapazität von fast 1.500 Personen gehört sie größenmäßig zur Mittelklasse der Kreuzfahrtschiffe. Ihre größten Kolleginnen fassen bis zu 6.500 Menschen – das mag ich mir gar nicht vorstellen. Über 500 MitarbeiterInnen kümmern sich um das Wohl der Gäste – das ist ein Crew-Mitglied für 3 Gäste, nicht schlecht. Kapitän Romeros fährt bereits seit 40 Jahren zur See. Dieser in sich ruhende, sonnengegerbte Seebär ist nach eigener Aussage mit dem Meer verheiratet. Mit ihm fühlt man sich sicher und gut aufgehoben. Puren Luxus sollte man auf der Celestyal Olympia nicht erwarten – eher den Charme der 70er. Andererseits ist so ziemlich alles vorhanden: hübsche Aufenthaltsräume, diverse Läden, ein kleines Spa mit Fitnessraum, Swimming-Pools und eine schicke Bar auf der 12. Etage – von der Horizon-Lounge hat man eine fantastische Aussicht. Mein Favorit, ganz klar. WLAN funktioniert gut, muss jedoch bezahlt werden. Und: die Crew ist supernett. Viele Asiaten kümmern sich um das Wohl der (sehr internationalen) Gäste – und die sind ja bekanntlich sehr service-orientiert. Hinzu kommt, dass die Touren mit der Celestyal Olympia absolut erschwinglich sind und die Atmosphäre angenehm locker ist.

Foto: Drinks (kommen noch...) mit Aussicht in der schicken Horizon-Bar

Noch mal zurück zum Thema Umweltverschmutzung: Uwe Bahn, Mitreisender und DER Kreuzfahrt-Experte schlechthin, beruhigt mein schlechtes Gewissen: „Die Reedereien sind natürlich in der Pflicht. Allerdings machen Kreuzfahrtschiffe nur 1% des gesamten Schiffsverkehrs aus, 99% sind Frachtschiffe.“ Zu diesem Thema hat Uwe eine süffisante Kolumne geschrieben – lesenswert!

Endlich Mykonos!

Zeit für den ersten Landgang – Mykonos! Unsere Reiseleiterin Kleopatra (ob die tatsächlich so heißt?) erzählt von der entspannten Einstellung der Einheimischen: „Leben und leben lassen ist deren Devise“. Macht Sinn, schließlich avancierte Mykonos ja schon sehr früh zu einem der touristischen Wallfahrtsorte für Schwule und Lesben. Die wunderbare Architektur ist oft erst auf den 2. Blick erkennbar – angenehmes Understatement, kein Protz. Offensichtlich hat das schon dem berühmten Architekten Le Corbusier imponiert, bevor dann die Designer auf die Insel kamen. Ihnen folgten international bekannte Fußballer, Models, Schauspieler. „Die jungen Mädchen kommen, um fotografiert zu werden“, erklärt Kleopatra. Warum auch nicht. Wir machen Halt an einem der In-Strände, der jetzt – Anfang Oktober – ziemlich verlassen ist. Man kann allerdings ahnen, wie wunderbar es sich hier an einem lauen Sommerabend chillen und feiern lässt. Bettenburgen sucht man auf Mykonos vergebens (hallelujah!), es gibt eher schicke kleine Boutique-Hotels. Alles ist weiß getüncht, ein schöner Kontrast zur eher kahlen Insel. Auf unserer Fahrt in die Inselhauptstadt legen wir schnell einen Fotostopp ein – endlich sehe ich die für Mykonos so berühmten Windmühlen. Der Blick auf das Städtchen in der untergehenden Sonne ist der Wahnsinn! Schade, dass wir schon recht früh zurück aufs Schiff müssen. Ich nehme mir vor, nochmal in Ruhe auf die Insel zu kommen. Aber was habe ich mir nicht schon alles vorgenommen? Zeit zu haben ist doch eines der größten Luxusgüter.

Foto: Bei diesem Blick über Mykonos geht Dir das Herz auf

Kusadasi und das charmante Patmos

Nächster Stopp am folgenden Tag ist Kusadasi in der Türkei. Hier kann man an einem Ausflug ins antike Ephesus teilnehmen. Wir ziehen einen Bummel an der schönen Strandpromenade vor. Moderne Basare (im Gegensatz zu Griechenland sind die Verkäufer hier manchmal schon etwas aufdringlich - handeln ist ein MUSS) und ein türkischer Mokka direkt am Meer. Ja, dieser Landgang fällt für mich in die Kategorie „faul sein“, aber was soll`s – es folgen ja noch so viele Highlights.

Foto:Landgang in Kusadasi

Am Nachmittag steht die zauberhafte Insel Patmos auf dem Programm. Viel Geschichte. Hier erfuhr Apostel Johannes die Vision der Offenbarung in einer Höhle. Letztere kann man heute noch besichtigen. Während der Zeit der Römer war die Insel ein Verbannungsort, heute ist sie ein Paradies für ruhesuchende Touristen. Patmos ist vulkanischen Urspungs und verfügt über Sand- und Kieselstrände. Die Häuser dürfen nicht mit mehr als zwei Etagen gebaut werden, daran könnten sich viele Touri-Orte mal ein Beispiel nehmen. Ganz bezaubernd ist Ora mit seinem Kloster aus dem Jahr 1088 und den engen Gassen (man sollte hier gut zu Fuß sein!). Zu dieser Jahreszeit ist die Insel schon sehr ruhig, angenehm nach dem Trubel auf Mykonos. Vom Klosterberg ist die Aussicht auf die Ägäis mit den umliegenden Inseln grandios. Und eine recht voluminöse Katze mit Glöckchen um den Hals ruht auf einer Mauer mit herrlichem Panaromablick und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Cool cat! Überhaupt ist Patmos ein Paradies für die zahlreichen Miezen, deren Fortpflanzung durch ein Experten-Team kontrolliert wird.

Foto: Blick über Patmos - gefällt mir!

Foto: Voilà - die coolste Katze in ganz Griechenland!

Wir nutzen die Freizeit für ein herrliches Abendessen in der Taverne Tzivaeri im idyllischen Ort Skala und lassen den ganzen Tisch mit griechischen Spezialitäten bestücken. Dazu gibt es lokalen Wein, ganz köstlich. Leben wie Gott in Griechenland!


Foto: Blick von der Taverne auf Patmos - mit der Celestyal Olympia im Hintergrund

Barbecues und Riesenmengen Lebensmittel

Auf dem Schiff gibt es an diesem Abend ein Barbecue – auf einem Aussendeck am Pool. Macht nichts, dass wir das trotz der schicken Atmosphäre verpasst haben. Fleischliebhaber (zu denen ich nun mal nicht gehöre) kommen hier ganz auf ihre Kosten. Anschließend gibt es noch reichlich Unterhaltung auf der Celestyal Olympia – das abendliche Programm reicht von griechischer Musik (ja, der alte Zorbas darf natürlich nicht fehlen) über Tanzkurse bis hin zum Zocken im Casino. Ich hätte auch gerne mal in den Griechisch-Kursus geschnuppert, aber die Zeit fehlte.

Foto: Schickes Ambiente beim Barbecue

Am nächsten Tag treffen wir Vasilios, den Sous-Chef. Wir erfahren einige eindrucksvolle Zahlen: die Küche befindet sich auf einer Fläche von 300 qm. Pro Tag werden 70 kg (!) vom köstlichen griechischen Yoghurt serviert. Für das Barbecue werden allein 30 kg Tsatziki verwendet (eigentlich müsste es ja überall nach Knoblauch riechen, was jedoch glücklicherweise nicht der Fall ist). Und pro Woche werden 100 kg Tomaten und 600 kg Feta verarbeitet, einfach Wahnsinn. Es ist schon beeindruckend, wie das alles organisiert wird. Dafür wirbeln allerdings auch 74 MitarbeiterInnen allein in der Küche. Und wie erwähnt – ich finde die gesamte Organisation auf der Celestyal Olympia einfach perfekt. Schiffe sind ja nun mal die große Leidenschaft der Griechen. Das Metier beherrschen sie aus dem Effeff.

Santorini - Krönung einer wunderbaren Reise

Wir nähern uns dem Höhepunkt der Tour – Santorini! Allein der Name klingt schon wie Musik in den Ohren. Jeder dürfte die Fotos der weiss-blauen Häuser und Kirchen schon mal gesehen haben. Unsere attraktive Reiseleiterin Agathe spricht ein gestochenes Deutsch und kennt jeden Winkel der 76 qm großen Insel. Die liegt am Rand einer riesigen, 400 m tiefen Caldera (der 2. größten der Welt) im Meer. Angeblich soll hier die legendäre Insel Atlantis begraben sein. Santorini ist einer von fünf Orten auf der Welt, an denen dieser sagenhafte Ort vermutet wird. Dunkle Lavastrände zeugen vom vulkanischen Ursprung Santorinis. 1956 gab es ein Erdbeben der Stärke 7,8 auf der Richter-Skala – warum müssen die schönsten Orte der Welt nur immer solche Gefahren bergen? 38 Grad heiße Schwefelquellen, die bei Asthma, Rheuma und Hautproblemen helfen, sind eine weitere Attraktion. Kuren auf Santorini – keine schlechte Idee! In den 50er Jahren war die Insel noch ziemlich abgeschottet. Das erste Auto fuhr hier 1963, da kannte kein Mensch dieses Juwel. Heute leben 15.000 Einwohner auf Santorini, pro Jahr kommen 2 Millionen Touristen aus aller Welt (darunter natürlich sehr viele Tagesbesucher von Kreuzfahrtschiffen). Das sollte aber niemanden von einem Besuch abhalten, es muss ja nicht in der Hochsaison sein.

Foto: Einfach nur unglaublich - Blick über Oia auf Santorini

Einen Teil davon sehen wir im malerischen Ort Oia, auf einem Felsen hoch über der Ägäis gelegen und mit seinen kleinen Gassen und herrlichen Panoramen absolut sehenswert. Wären da nur nicht die vielen Touristen aus aller Welt, die sich ihren Weg zu den schönsten Aussichtspunkten bahnen. Natürlich wollen alle das eine Fotomotiv – also muss man sich brav anstellen, bis man zum Schnappschuss kommt. Dennoch – Oia muss man gesehen haben. Dann geht es weiter nach Thira, dem Hauptort. Hier verteilen sich die Menschen, sehr angenehm. Ich verliebe mich sofort in diesen Ort. Die Aussicht auf die Caldera und die Inselwelt der Kykladen ist grandios. Die Luft an diesem Sonntag im frühen Oktober streichelt die Haut, die Farben des Himmels reichen von hellblau bis pink. Und über allem liegt diese unglaubliche Leichtigkeit des Seins, untermalt vom sanften Sound einer Klangschale. Nun glaube ich tatsächlich, dass Atlantis unter uns liegt – dieser Ort ist das Paradies schlechthin. Es gibt sogar ein 5-Sterne-Hotel namens Atlantis, ganz in weiß und hoch über dem Ort thronend. Kommt direkt auf meine "bucket list"! Ich muss mich zusammenreißen, um nicht nur noch Fotos zu schießen. Im eleganten Restaurant Rastoni essen wir zu Abend. Kleine Treppen – alles in weiß – führen zu unserem Tisch auf der Terrasse. Der Blick ist einer der schönsten, die ich je auf einer Reise erleben durfte (und es waren einige). Als dann noch die Lichter der Stadt angehen, könnte ich vor Glück komplett ausflippen. Dazu werden wieder griechische Köstlichkeiten von charmanten, hübschen jungen Damen serviert. Ein perfekter Abend, den ich nie vergessen werde! Nach dem Dinner bummeln wir noch durch die Gassen mit ihren schicken Bars und Boutiquen, bevor wir mit der Gondel wieder nach unten zur Anlegestelle fahren. Alternativ kann man auch 589 Stufen hoch- oder herunterkraxeln oder die Strecke per Esel bewältigen. Wow, was für ein fantastischer Tag!

Foto: Das ist ja mal 'ne Aussicht - Blick vom Restaurant Rastoni auf Santorini

Stippvisite auf Kreta und mein Klon

Am kommenden Tag steht die letzte Station auf dem Programm – Heraklion, die Hauptstadt Kretas. Nach all den Höhepunkten der vergangenen Tage kommt mir dieser Ort etwas gesichtslos vor. Klar – Heraklion hat, wie die ganze Insel, eine pralle Geschichte, aber die Idylle fehlt etwas. Ich bummele durch die Fußgängerzone, genehmige mir einen leckeren Espresso in einem netten Restaurant-Café und lasse einfach noch mal die wunderbare Tour in aller Ruhe Revue passieren. Alternativ kann man einen Ausflug ins historische Knossos machen. Aber irgendwie muss man ja auch mal all die Eindrücke verarbeiten. Bei einem Kaffee lässt sich das ganz gut machen.

Foto: Heraklion, die Hauptstadt von Kreta

Eines habe ich noch vergessen – in der Ladenzeile auf der Celestyal Olympia gibt es ein sehr interessantes Geschäft, in dem man sich klonen lassen kann. Der nette Verkäufer zieht mich prompt herein und scannt meinen Körper. So lassen sich kleine Figuren erstellen (kosten ab 100 EUR), in meinem Fall also ein kleiner Karl-Heinz. Dummerweise habe ich es versäumt, mir meinen Klon abzuholen, sehr ärgerlich. Ich hoffe ja nicht, dass jetzt lauter kleine Karl-Heinzens ihr Unwesen auf der Celestyal Olympia treiben ;-).

Foto: So sehen sie also aus, die kleinen Klone.

Fazit: die Tour mit der Celestyal Olympia war schlicht und ergreifend toll. In wenigen Tagen sieht man einige der schönsten Orte Griechenlands. Und man kann die Mini-Kreuzfahrt mit einem Aufenthalt in Athen verbinden – oder hängt noch ein paar Tage im wunderbaren Kinsterna Hotel auf dem südlichen Peloponnes dran.

Die beschriebene Tour kann über H&H Touristik, den Veranstalter unserer Reise, gebucht werden. Preis ab 399 EUR pro Person für das Programm mit drei Übernachtungen. Flüge und Kombinationen in der Ägäis können über H&H online oder in deren Reisebüros gebucht werden.

Weitere Infos zum Programm von Celestyal Cruises gibt es hier.


Foto: Besuch auf Käptn`s Brücke - dieser junge Mann ließ sich nicht von der Arbeit abhalten

Foto: Farbenrausch auf Santorini

Foto: Eine von über 80 Kirchen auf Santorini - ein frommes Völkchen, diese Griechen

Foto: Unser Schiffchen in der Caldera von Santorini (und mit Atlantis darunter?)

Foto: Shopping auf die andere Art - Patmos


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