Fuerteventura - meine Tipps für eine überraschende Inseltour

16.11.2017

Sommer im Herbst – Fuerteventura macht`s möglich

Es ist Ende Oktober. Der Wettergott meint es mal wieder sehr gut mit Fuerteventura, der zweitgrößten Insel der Kanaren. Strahlend blauer Himmel und schon am Morgen Temperaturen von über 20 Grad C. Zugegeben – es fällt schwer, sich an einem solchen Tag von den herrlichen Stränden im Naturpark Dunas in Corralejo oder der Poolanlage des Gran Hotel Atlantis Bahía Real zu lösen. Aber Ingrid von der Marketing-Abteilung dieses Top-Hotels hat mir eine wunderbare Tour versprochen. „Du wirst Ecken dieser Insel sehen, die selbst ich noch nicht kenne. Und Andreas ist der beste Reiseführer, den ich mir vorstellen kann.“ Klingt vielversprechend. Punkt 10 Uhr steht Andreas Caliman in der Hotel-Lobby. Ein deutscher Aussteiger Anfang 50 mit der Energie eines 25 Jährigen, sonnengegerbt und mit blondem Zopf. Ist vor 23 Jahren als Tennislehrer auf die Insel gekommen und gleich hier geblieben. „Jeden Morgen bin ich im oder auf dem Meer, dann ist es am schönsten.“ Dieser coole Typ ist mir auf Anhieb sympathisch. Er kann alles und weiß, wie sich noch herausstellen wird, einfach alles über die Insel.

Foto: Auch wenn man vom Strand nicht genug bekommt - auf zur Inselrundfahrt! - KHL

Uralte Vulkane und ein cooler Typ

Auf geht`s mit Ingrid und Andreas in seinem neuen, knallgelben Bully. „Fuerte ist die älteste Kanareninsel und bereits vor 20 Millionen Jahren förmlich aus dem Meer aufgestiegen.“ Wow! Geologisch gesehen ist unsere durchschnittliche Lebensdauer doch eigentlich nur ein Wimpernschlag. Bin schon sehr gespannt auf all die rotbraunen, uralten Vulkane! Von Corralejo geht es in Richtung Westen. „Hier kannst Du tagelang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen“, erklärt Andreas. Beneidenswert, dieser Mann – ständig in der Natur und sportlich aktiv, das hält jung.

Foto: Surf-Freak Andreas ist ein wahres Multitalent! - Andreas Caliman

Heilige Berge und ein verbannter Dichter

Wir fahren am 698 m hohen La Muda vorbei und kommen zum Tindaya, nur 400 m hoch, aber von den Ureinwohnern als heiliger Berg verehrt. Hier wurden Felszeichnungen und Scherben von Gefäßen gefunden. Fuerteventura ist eine recht kahle Insel mit wunderbaren Farben. Du wirst nicht abgelenkt und konzentrierst Dich auf das Wesentliche – eine grandiose, seit Millionen von Jahren existierende Natur. Vor der Eroberung durch die Spanier im Jahre 1402 lebten hier die „majos“, die Ureinwohner der Insel. Man vermutet, dass sie von den Berbern abstammen. Auf der sehr gut ausgebauten Straße kommen wir an dem Ort vorbei, an den der berühmte spanische Dichter Unamuno 1924 verbannt wurde. Die vermeintliche Strafe entpuppte sich beinahe schon als Segen. Die bizarre Vulkanlandschaft inspirierte Unamuno („Eine Oase, wo mein Geist von den Wassern des Lebens trank“) zu noch mehr Kreativität, bevor er später unter dem Franco-Regime spurlos verschwand.

Foto: Mein Fuerteventura-Road-Movie ...! - KHL

Malerische Dörfer und die ehemalige Hauptstadt Fuerteventuras

Weiter geht es nach Alcogida, wo es ein kleines „Eco-Museum“ mit Werken lokaler Kunsthandwerker gibt. Das Museum ist ein kleines in situ erhaltenes Dorf und zeigt das traditionelle Landleben auf Fuerteventura. Bis 1970 war es ein bewohntes Dorf, bevor es Anfang der 90er renoviert und in ein Museum verwandelt wurde.

Man mag es kaum glauben, aber es gibt herrliche Flußtäler auf Fuerteventura. Der Stausee Los Molinos ist ein Paradies für Ornithologen. Dort gibt es auch eines der letzten richtig authentischen Küstendörfer mit, so erklärt Andreas, „eigentlich sehr schäbigen Hütten“. Vor dem Beginn des Tourismus-Booms war Fuerteventura ja eine ziemlich arme Insel, die Menschen lebten vom Fischfang, ihren vielen Ziegen und dem Anbau von Tomaten.

Foto: Wer entdeckt die Ziege? Diese Tiere sind wahre Klettermaxen. - KHL

Das beste Klima der Welt

Wir besuchen Betancuria, die ehemalige Hauptstadt der Insel und ein richtiges Vorzeigedorf. 1402 residierte hier Jean de Betancourt, der 1. König der Kanaren, und Betancuria war die Kapitale des gesamten Archipels. Heute ist der Ort mit seinen weißen Häusern, den vielen Palmen und den bizarren Bergen Touristenattraktion und beliebtes Fotomotiv. Währenddessen plaudert Andreas über das Wetter. Das Klima auf den Kanaren, den Inseln des „ewigen Frühlings“, gilt ja als eines der besten der Welt. Unangenehm wird es nur während weniger Wochen im Jahr, wenn die „calima“ Einzug hält. Ein Wüstenwind aus der Sahara, der Hitze und jede Menge Sandstaub mit sich bringt (zum Teil 2 kg pro qkm und Jahr). Ich erinnere mich, früher schon mal von Staub zugedeckte Autos gesehen zu haben. Fuerteventura hat im Durchschnitt 5 Regentage im Jahr, richtig kalte Tage gibt es hier nicht. Nachts kann es ganz selten schon mal bis zu 10 Grad C kühl werden.

Foto: Betancuria, die Schöne - KHL

Weiße Dörfer und viele Ziegen

Im blitzeblanken Örtchen Antigua in der Mitte der Insel gibt es das „Museo del Queso“ – ein kleines Museum zum Thema Ziegenkäse. „Ziegen waren hier immer der Überlebensgarant Nr. 1“, sagt Andreas. „Früher gab es auf Fuerte wesentlich mehr Ziegen als Menschen.“ Das hat sich heute geändert, mittlerweile leben ca. 110.000 Einwohner auf der Insel, darunter viele Zuwanderer. Natürlich gibt es auch immer noch viele Ziegen, der Ziegenkäse ist einfach köstlich.

Foto: Mit Tomaten schmeckt der Käse ganz fantastisch - KHL

Pflanzenparadies Fuerteventura

Der Vulkan Gayria mit seinem 135 m großen Krater ist vor ca. 10.000 Jahren ausgebrochen und flößt Demut vor der Natur ein. In dieser Gegend gedeihen heute Bananen, Guaven, Kürbisse, Maracuja und Papaya – allesamt so köstlich und gleichermaßen gesund! Wir fahren weiter durch die Orte Tuineje, die Hauptstadt der Tomaten, und das wunderschöne Pajara. Andreas weist uns auf die vielen „tabaibas“ hin, bis zu 10 m hohe Pflanzen, die teilweise schon mehrere 100 Jahre auf dem Buckel haben. „Die Kanaren sind für endemische Pflanzen das, was die Galapagos-Inseln für exotische Tiere sind. Es gibt viele Pflanzen, die seit dem Tertiär nur hier existieren“, erklärt unser Guide. In Pajara machen wir einen kurzen Stopp in der Casa Isaitas. Eine Spanierin vom Festland hat hier ein kleines Refugium mit ein paar Zimmern und einem hübschen Restaurant geschaffen.

Foto: Schöner wohnen (und speisen) im Casa Isaitas - KHL

Im kühlen Innenhof stärken wir uns mit Kaffee und Wasser, bevor es weiter durch eine filmreife Kulisse mit schroffen Bergen, Schluchten und Palmenhainen geht. Diese Gegend war in der Tat schon Schauplatz einiger Filme wie z.B. „Exodus“. Im Betancuria-Massiv legen wir einen Stopp ein und kraxeln über glatte, riesige Felsbrocken (ich muss mich direkt auf einen setzen) und steinige Pfade in einen sogenannten „barranco“ (Schlucht) mit einem grünblauen Tümpel. Was für ein Kontrast zu den Felsen und dem immer noch strahlend blauen Himmel. Und immer wieder imposante Palmen, wie in einer Oase.

Foto: Na, ist das eine filmreife Kulisse? - KHL

Ich kann von diesem Anblick gar nicht genug bekommen. Es gibt hier Berge, die aus Tiefengestein entstanden und nicht vulkanischen Ursprungs sind. Den Unterschied erkennt man direkt. Schon Alexander von Humboldt war auf seinen Reisen vom „besonderen Licht Fuerteventuras“ begeistert. Zum Sonnenuntergang kann man eine regelrechte Lichter-Show mit ständig sich ändernden Farben bewundern, Mir wird immer klarer, warum Andreas hier „hängengeblieben“ ist. Fuerteventura ist übrigens auch ein wunderbarer Ort für Yoga – und auch das beherrscht „unser Mann“ aus dem Effeff. Ein Tausendsassa!

Foto: Natur macht glücklich! - KHL

Endlose Strände und leckere Tapas in El Cotillo

Über Betancuria mit seiner Kirche aus dem Jahr 1404 und den Mirador (Aussichtspunkt) Morro Velosa geht es wieder Richtung Norden. Ockerfarbene Hügel, verschlungene Schluchten und weit und breit nichts, das das Auge stört. Pure Glücksgefühle an diesem wunderbaren Sonntag. Einfach nur in die Natur schauen und sonst gar nichts.

Foto: Andreas erklärt Ingrid die Entstehung der Insel - KHL

Wir bewundern noch ein gigantisches modernes Kunstwerk mit prächtigem Hintergrund. Derweil erzählt Andreas, dass es auf „seiner“ Insel Sandstrände von insgesamt 55 km Länge und 322 km Küste gibt sowie über 1.000 (!) verschiedene Flechten bzw. Flechtenarten, die es auf allen Kanaren gibt und die ein Zeichen für gute Luft sind. Kann man die nicht mal nach Düsseldorf "exportieren"?

Foto: Kunst gibt es auch auf der Insel - und zwar ganz coole! - KHL

Zum späten Mittagessen finden wir uns im Restaurant „La Vaca azul“ (bedeutet "die blaue Kuh", die auch tatsächlich auf der Terrasse steht) in El Cotillo direkt am Meer ein. Klar, hier stehen frischer Fisch und Meeresfrüchte auf dem Speiseplan. Auf der Terrasse mit allerbestem Meerblick laben wir uns an „tapas“ – bestehend aus den typischen Schrumpelkartoffeln mit zwei verschiedenen Saucen („papas con mojo“), Krabben mit Knoblauch, Tintenfischsalat, Tomaten mit Ziegenkäse und den für die Kanaren so typischen Gofio-Brei. Einfach köstlich! Der Laden ist rappelvoll mit auffallend vielen Einheimischen, was ja immer ein gutes Zeichen ist. Von Corralejo aus ist er mit dem Leihwagen in gut 20 Minuten erreichbar – auf jeden Fall vorher einen Tisch reservieren und anschließend durch das nette Örtchen bummeln.

Foto: Blick von unserem Tisch im "Vaca Azul" - LIFE IS GOOD! - KHL

Ein richtig cooles Dorf

Zurück geht es dann noch durch Lajares, ein „hippes“ Dorf mit einem bunten Völkergemisch. „Hier ist immer etwas los“, sagt Andreas. Lajares ist eine Hochburg für Surfer, obwohl das Meer 8 km entfernt ist. Hier hat sich eine alternative Szene mit Lebenskünstlern und solchen, die es werden wollen, etabliert. Entsprechend bunt sind all die Cafés, Läden und Restaurants. Alles ohne großen Touri-Trubel, herrlich. Beim nächsten Fuerte-Besuch werde ich mich hier mal etwas näher umsehen. Gegen 17.30 h sind wir wieder im Gran Hotel Atlantis Bahía Real und ich habe den schönsten Tag meiner diesjährigen Kanarenreise (fast) hinter mir. Nur Natur, keine Touristenzentren und eine teilweise archaische Stille. „La vida es chula“ – das Leben ist super!

Foto: Schnell noch ein Bad im herrlich kühlen Atlantik - KHL

Design à la Fuerteventura

Abschließend frage ich Andreas nach einem guten einheimischen Designer. „Schau in Corralejo unbedingt bei Erika vorbei“. Gesagt, getan. Vor meinem Abflug am nächsten Tag besuche ich noch schnell den kleinen Laden dieser sympathischen Designerin, die hier von Schreibwaren über Schmuck, Bikinis, Flipflops, Handtücher und T-Shirts alles Mögliche mit ihren eigenen Designs produziert. Ein toller Kontrast zu all dem austauschbaren Kram, den man in den Einkaufszentren findet. Ein Besuch lohnt sich. Erikas Lädchen liegt direkt auf der Hauptstraße Corralejos und gleich daneben bzw. gegenüber befinden sich meine beiden Lieblings-Coffeeshops im ehemaligen Fischerort, das „Urban Living“ und das „Illy“.Nach einem Kaffee bummele ich noch schnell ins „casco viejo“ (Altstadt) mit seinen urigen Kneipen und Restaurants und einem kleinen Sandstrand direkt vor der Tür.

Foto: Kanarischer Charme - Erika Castilla in ihrem kleinen Shop

Nach der sonntäglichen Tour habe ich mich noch mehr in diese Insel verliebt. Und ich weiß jetzt viel mehr über „Fuerte“. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch. Hasta la vista, isla bonita!

Foto: Was für ein Sonntag - und was für eine Insel. - KHL

Andreas Caliman bietet herrliche Touren und Wanderungen von unterschiedlicher Dauer an - Infos findet Ihr hier. Alle Ausflüge kann man sowohl im Gran Hotel Atlantis Bahía Real*****GL (bestes Hotel der Insel) sowie im Suite Hotel Atlantis Fuerteventura Resort**** („all inclusive“) buchen. Urlaub der Kontraste vom Allerfeinsten!


Foto: Kurze Pause am Bully - und Andreas läuft tatsächlich barfuß! - KHL

Foto: An diesen Kontrasten konnte ich mich nicht satt sehen - KHL

Foto: Strand oder doch lieber Hotel-Pool? Im Gran Hotel Atlantis Bahía Real*****GL geht beides! - KHL



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